Die Rache der daheimgebliebenen Rucksäcke

 

Gut gelaunt warteten wir im Flieger in Frankfurt auf den Start des elfstündigen Fluges nach Los Angeles. Um bei einem Langstreckenflug dicken Beinen und Thrombose vorzubeugen, bekamen wir im Vorfeld einen heißen Pillentip. Änn war vor der Einnahme natürlich etwas aufgeregt, hatte sie doch vor einigen Stunden gegen ihre Kopfschmerzen eine Ibu geschluckt. Ängstlich war sie wegen des Mischkonsums, vor dem alle immer so warnen. Fränn nahm ihr die Angst ab und beruhigte sie. Letztendlich entpuppte sich die kleine Hilfe als absolute Empfehlung.
Sorglos und voller Vorfreude auf die bevorstehenden Abenteuer genossen wir den hervorragenden Service der Lufthansa an Board. 
Ohne weitere Komplikationen erreichten wir gesund und munter, aber doch etwas erschöpft den Los Angeles International Airport.
Wir eilten nach der erfolgreich absolvierten Einreise zur Gepäckausgabe. Noch ahnten wir nichts. Trotz der Verspätung der Maschine aus Berlin, waren wir sehr zuversichtlich, dass unser Gepäck den selben Flieger pünktlich erreichte. Immerhin stand der große Flugvogel noch einige Minuten zum Enteisen am Gate. Aber es kam, wie es kommen musste. Die Koffer waren nicht da. Ein Angestellter des Flughafens fing uns sofort ab und teilte uns mit Bedauern mit, dass unser Gepäck es nicht bis nach L.A. geschafft hätte. Wir müssen uns zum Schalter der Lufthansa begeben, um alle weiteren Formalitäten zur klären. Da war sie also die Rache der daheimgebliebenen Rucksäcke. Zur Erinnerung: wir benannten diesen Blog nach unseren treuen Gefährten für den Rücken. Sie reisten mit uns quer durch Asien. Wir gingen mit ihnen durch Dick und Dünn, Klein und Groß, Schmal und Breit. Für diesen Trip sortierten wir sie schweren Herzens aus und entschieden uns für herkömmliche Koffer. Änn & Fränn ließen beide Rucksäcke einfach zu Hause. Aussortiert und vergessen. Jetzt zahlten sie es uns heim.

 


Am Schalter angekommen ließ der Mann keine Panik aufkommen und nahm alles routiniert auf. Er garantierte uns, dass die vermissten roten Koffer bis zu unserem Hotel in Las Vegas transportiert werden. Allerdings erst morgen Abend, denn noch verweilen sie in Frankfurt.
Da standen wir nun mit unserem Handgepäck. Etwas verdutzt und ratlos waren wir, aber die Reise musste weiter gehen, mit oder ohne Koffer, das war uns beiden klar. Zumindest wollten wir das immer schon mal ausprobieren nur mit Handgepäck zu reisen. Nur unter anderen Umständen, dann hätten wir sicher auch andere Sachen ins Handgepäck getan, als uns jetzt zur Verfügung stand. Um die Situation zu analysieren, trugen wir kurz unseren Besitz zusammen: „Technik Fränn“ hatte allerlei Kabel, Stecker, Adapter und sonstigen technischen Kram dabei aber keine wichtigen Dinge im Handgepäck, die man in der Not nun hätte gut gebrauchen können. Änn hingegen hatte noch nicht mal ein Handykabel dabei. Dafür aber fein sortiert Pralinen und kiloschwere Steuerbücher und Gesetzestexte für Silca.

 


Erstmal raus an die frische Luft und sich sammeln war nun die Devise. Total verwirrt suchten wir eine Fahrmöglichkeit zum Hotel. Wir wählten die einfachste Variante und begaben uns zum Taxistand. Der Taxifahrer riet uns zum Shuttle oder aber ein UBER zu nehmen. Die veranschlagten 19 $ wären einfach zu viel für diese Entfernung zum Hotel. Doch leider kam kein Shuttle. Wir informierten uns im Flughafen und schnappten uns den erstbesten Servicemitarbeiter. Der nette Kerl lieh uns ein Telefon, um mit dem Hotel in Kontakt zu treten. Leider war es unmöglich den nuschelnden Mann von der Rezeption zu verstehen. Ein neuer Plan musste her.
Fränn fragte sich mit ihrer sympathischen tyrannischen Art durch, bis sie einen Polizist überredete für uns beim Hotel anzurufen. Der Anruf bestätigte, dass das Hotel aktuell kein Shuttle zur Verfügung stellte und somit beschlossen wir im gewohnten Backpackerstyle zu Fuß zu gehen. Es folgte unsere Foot-Challenge Nr. 1 und Änn & Fränn zogen also ohne Gepäck im Schlepptau vorbei an den großen Buchstaben L und A. den Century Boulevard entlang.

 


Nach nur wenigen Minuten kreuzte ein äußerst freundlicher junger Amerikaner unseren Weg. Geduldig stand er uns Rede und Antwort. Er empfahl uns den Bus oder ein UBER und wir entschieden uns  für die Bus Option.
Kaum im Bus eingestiegen amüsierten wir die freundliche Busfahrerin mit unserem verwirrten Verhalten. Auch die anderen Fahrgäste bemühten sich um unser Wohl und boten uns ihre Hilfe an.
Am Zielhotel angekommen, starteten wir umgehend die ungeplante Shoppingtour, um wenigstens die nötigsten Dinge zu besorgen. Ganz oben auf unserem bescheidenen Einkaufzettel stand die Grundversorgung für Fränns frisch gestochenem Tattoo. Eine Packung Frischhaltefolie, Tape zum Fixieren und spezielle Salbe zum Einreiben sowie frische Socken, Zahnbürsten und Zahnpasta.

 

 

Dieses Mal musste nun auch Fränn zum Schlüpferkauf. Wir scherzten: „andere Länder, andere Schlüppa.“ Nur wenige Meter vom Hotel entfernt, erblickten wir eine Leuchtreklame mit der Aufschrift „T-Shirt Outlet“ – unsere Rettung in der Not.

 

 

Wir betraten das sehr unangenehm riechende Geschäft. Es erinnerte vom Geruch an Chinatown in irgendeiner asiatischen Metropole. Aber nicht nur das, hier gab es einfach alles. Die freundliche asiatische Verkäuferin stand sofort fachberatend an unserer Seite und zeigte uns die Unterwäsche der Marke „Pro Club“, angeblich hatte diese die beste Qualität. Wir willigten ein und hinzu kamen noch zwei lustige L.A. Shirts für den morgigen Flug.

 

 

Wir hatten alles zusammen und bis zur nächsten Reisestation zukommen, an welcher wir dann hoffentlich unsere Koffer in Empfang nehmen durften. Hoffnungsvoll und frohen Mutes, dass es unsere Koffer bis nach Las Vegas schaffen, zogen wir wieder Richtung Hotel.
Wir durchkreuzten etwas neben uns stehend die Straßen von Ingelwood. Das Bild der Gegend prägten vorwiegend afroamerikanischen Einwohner.

 

 

Ein paarmal überquerten wir waghalsig die breite und befahrende Straße. Einmal beobachtete der Sheriff unser gefährliches Manöver und hupte uns mahnend an. Änn & Fränn lieben die Gefahr, doch wir gestanden uns ein nicht in Topverfassung zu sein und entschlossen aus Sicherheitsgründen lieber die Nacht auf dem Hotelzimmer ausklingen zu lassen. Nach nun mehr als 26 Stunden Schlafabstinenz vollendeten wir mit letzter Kraft den ersten Blogbeitrag. Dann gönnten wir uns den wohlverdienten Nachtschlaf, um fit nach Las Vegas zu reisen, denn dort wartet garantiert das nächste große Abenteuer auf uns und hoffentlich auch die vermissten Koffer.

 

Wir sind dankbar für jegliche Hinweise, Tipps oder sonstige Ratschläge.
Gerne in die Kommentarre! 

 

 

7 Gedanken zu „Die Rache der daheimgebliebenen Rucksäcke

  1. Cool, eben noch mit euch telefoniert und nun ist wie versprochen der Blog da. Ich glaube auch eure Rucksäcke haben da ihre teuflischen finger im Spiel. Ist echt wie verhext. Bei meinem nächsten Urlaub werde ich 100%ig mein Handgepäck überdenken und anders packen als sonst. So Mutter hat sich auch gemeldet aus München. 3,5 std. Wartezeit und dann kommen sie zurück. Es geht ihnen bestens und sie sind tiefenentspannt. Ich drücke weiter die Daumen das unsere „gemeinsamen“ Koffer endlich zurück kommen. Vielleicht bekomme ich ja noch irgendeine Auskunft gleich in Tegel. Bis dahin LG

  2. Hammer Beitrag☺️ Herzlich gelacht über den Sheriff 😂
    👍👍👍 freu mich auf weitere Beiträge.

    P.S. Änn, vergiss nicht uns ne Karte zukommen zu lassen ☺️

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