Im nussigen Rausch. Von goldenen Pagoden zur Food Challenge

 

Das neubezogene Zimmer sicherte uns endlich die erste lange Nacht mit ausreichend Schlaf. Hubschrauber hätten nachts auf unserem Dach landen können, wir wären nicht wach geworden, so tief schliefen wir. Die Shweda Pagoda, eine der berühmtesten Stupas der Welt und zugleich Wahrzeichen des ganzen Landes, stand auf unserem touristischen Besichtigungsplan. Doch vorab mussten wir uns erst diese traditionellen Tücher besorgen, die hier von fast allen Einheimischen wie ein um die Hüfte gebundener Rock getragen werden.
Der Longyi oder auch Lontschi genannt, ähnelt dem balinesischen Sarong. So entgingen wir der unangenehmen Tatsche den Tag in langen Hosen verbringen zu müssen, denn in diesen buddhistischen Tempeln herrscht Kleiderordnung, Knie und Schultern müssen bedeckt sein. Nur wenige Meter vom Hotel entfernt, befand sich der Bogyoke Markt, der größte und bekannteste Markt Yangons. Shoppingqueen Fränn war voll in ihrem Element und freute sich schon die ersten Taschen zu füllen. Auf mehreren Etagen des großen aus Beton bestehenden Marktgebäudes gab es aller Art Handelswaren zu bestaunen: Stoffe, Kleidung, Geschnitztes, Gemaltes, Ramsch, Plunder und alles was man sonst so nicht braucht. Leider sahen wir nicht viel von den Waren, denn der Stromausfall machte das Stöbern in den dunklen Gassen des Marktes unmöglich. Der Shoppingeinsatz gestaltete sich etwas schwierig und Fränn wurde langsam grantig. Für alle Beteiligten war es das Beste den Einsatz nach nur 15 Minuten abzubrechen. Das Marktgebäude war an den Seiten offen. Die Stände an den äußeren Enden bekamen von draußen ausreichend Sonnenlicht. Wir orientierten uns an den Rändern des Marktes, um dort unsere ordnungsgemäße Pagodenkleidung zu kaufen. Das gelang dann auch sehr gut und wir rüsteten uns mit den besagten Wickelröcken aus.

 


Die Pagode lag nur 2,5 Kilometer entfernt. Um etwas Geld zu sparen und weil es sich wettertechnisch anbot, entscheiden wir uns für die klassische Fußvariante. Wir marschierten gemütlich los. An der befahrenden Straße saß ein Mann und sortierte kleine Kohlenstücke. Wir blieben interessiert stehen und beobachteten den Mann bei seiner Arbeit. Er bot uns ein Kohlestück zum Probieren an und öffnete ein schwarzes Stück aus seinem Korb. Es handelte sich um eine Frucht. Fränn probierte neugierig diese uns noch unbekannte Frucht. Leider blieb unsere Nachforschung zu dieser Obstsorte erfolglos. Wer weiß wie diese Frucht heißt, der möge uns freundlicherweise den Namen in den Kommentaren hinterlassen.

 

 

Für unsere ersten geschriebenen Postkarten hielten wir Ausschau nach einem vertauenswürdigen Briefkasten. Ein recht merkwürdig aussehendes Exemplar dieser Sorte begegnete uns an einer Baustelle. Ein Einheimischer versicherte uns, dass dieser Briefkasten noch aktiv und voll funktionstüchtig war. Voller Vertrauen warfen wir unsere Post ein.

 


Nach etwa 40 Minuten Fußmarsch erreichten wir die Pagode. Schon von weitem konnte man das 2500 Jahre alte goldene Bauwerk bestaunen. Unser Beinkleid wechselten wir kurz vor dem Betreten der Pagode. Perfekt präpariert freuten wir uns auf die Besichtigung. Einige Treppen und eine Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor passierten wir mühelos.

 

 

In der Pagode selbst sah man nicht so viele Touristen und Touristen mit einem Tuch um die Hüften geschwungen, waren ebenfalls eine Seltenheit.

 

 

Wir waren ein gefundenes Fressen für interessierte Einheimische, die gerne ein Foto mit uns schießen wollten. Dieses Szenario kannten wir bereits aus Java, als wir bei der Besichtigung des Borobodur und Prambanan hochgradig nachgefragte Fotomotive waren. Die Leute fragten uns sehr vorsichtig, gar schüchtern, ob wir mit ihnen ein Foto machen könnten. Die Mönche hatten es Fränn motivtechnisch angetan. Alte Mönchen, ganz junge Mönche und tätowierte Mönche. Sie wusste um ihre Charmantheit und scheute sich nicht diese direkt anzusprechen. Alle waren sehr offenherzig und freuten sich über unser fotografisches Interesse.

 


Als wir genug goldene Eindrücke gesammelten hatten, begaben wir uns auf den Rückweg und spazierten durch den erfrischenden Regen. Am Wegesrand genehmigten wir uns ein Mittagsmahl und eine kalte Cola zur Erfrischung. Danach fanden wir uns kurz im Hotel ein um unsere Hausaufgaben am Blog zu erledigen. Erst die Arbeit dann das Vergnügen, wie es bei Änn & Fränn so schön heißt. Nach der getanen Arbeit musste der teuflischen Plan vom Vortag umgesetzt werden. Änn & Fränn wollten die Betelnuss im Selbstversuch testen. Änn rutsche mal wieder das Herz in die Hose, da sie ihre Nussrecherche noch nicht abgeschlossen hatte. Fränn überzeugte sie davon, dass man die besten Abenteuer nicht bis ins kleinste Detail vorplant und das Vorsicht nicht immer die beste Mutter der Porzellankiste ist. Wir gingen auf die Straße und erwarben für umgerechnet 6 Cent zwei dieser typischen Blätter gefüllt mit einigen Stücken der Nuss.

 


Jetzt brauchten wir nur noch ein ruhiges Plätzchen, um die Betelnuss zu kauen. Dafür hielten wir uns draußen auf, denn die Nuss fördert den Speichelfluss während man sie kaut. Runter schlucken sollte man die rote Speichelansammlung nicht, denn das wäre unangenehm für den Magen. Also taten wir das was alle taten, wir spuckten unsere blutrote Spucke auf die Straße.

Nach einigen Minuten war für uns aber Schluss, wir spien die seifig schmeckende Mischung wieder aus und freuten uns über einen leicht euphorischen Schub. Die Einheimischen kauen die Nuss meist bis zu einer Stunde. Wir waren da aber erst einmal aus Sicherheitsgründen etwas vorsichtiger.

 

 

Zum Abendessen kehrten wir an den Ort des Abends zuvor ein. Dieser Food Markt hatte es uns angetan. Bevor wir den Hauptgang, einen gegrillten Fisch, zu uns nahmen, gab es für Änn und Fränn jeweils eine spannende Vorspeise. Fränn konnte an den Heuschrecken nicht ohne zu probieren vorbei und Änn sicherte sich eine Kostprobe von den Ständen, die fondeuartige Schweineteile an kleinen Spießen im ekeligen Antlitz, anboten. So endete auch dieser Tag mit einem kulinarischen Höhepunkt.

 

 

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3 Gedanken zu „Im nussigen Rausch. Von goldenen Pagoden zur Food Challenge

  1. Guten Morgen aus Germany, kalt , grau und fast ausgeschlafen.
    Der Alltag kehrt langsam zurück ob ich es will oder nicht.
    Meine Reise war sehr schön, das Land , die Kultur, Religion, Politik,
    all das habe ich nun kennengelernt. Bin dankbar nach wie vor solche Reise überhaupt realisieren zu können aber…..
    Eure Reise toppt alles. Die Bilder sprechen für sich und drücken alles aus. Armut und der starke Glaube, freundlich und zufrieden schauen die Menschen daher. Ich habe mich gefreut das wir gestern telefoniert haben und wünsche das eure Reise so fantastisch weitergeht. Bis zu nächsten Blog, passt trotzdem gut auf und seid lieb gedrückt 💋

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