Mandalay. Das Beste kommt leider nicht immer zum Schluss.

 

Der Flughafen von Mandalay lag einige Kilometer außerhalb der Stadt. In einem Sammeltaxi für unschlagbare 8000 Kyat fuhren wir fast eine Stunde in die Innenstadt. Das Gefährt teilten wir uns mit vier jungen Damen aus Deutschland. Dass die schüchternen Damen aus Deutschland kamen, merkte man schnell, da sie nicht gerade kontraktfreudig waren. Sie unterhielten sich über Bagan und die Ballonfahrt, die sie auch planten zu machen. Wir mischten uns in ihr Gespräch ein und gaben unsere Erfahrungen zur Ballonfahrt an sie weiter. Dankbar nahmen die vier Mädels unsere wertvollen Tipps an.

Unser Hotel lag im Zentrum von Mandalay. Zunächst brachten wir die Rucksäcke auf unser Zimmer, das unser neues zu Hause für die nächsten beiden Tage darstellen sollte. Das Zimmer überraschte mit einem Panoramatoilettenblick. Vom Bett hatten wir einen traumhaften Ausblick auf Klo und Dusche. Zunächst fanden wir das überaus amüsant doch schnell legte sich die Heiterkeit, denn wir mussten ja beide das Badezimmer benutzen und niemand hat es gerne bei diesem Geschäft beobachtet zu werden.

 

 

Bei unser üblichen Erkundungsrunde wollten wir gleich eine Sehenswürdigkeit erledigen, den Königsplast Mandalay Palace. Auf dem Fußweg zu Palast bekamen wir einen ersten Eindruck von der Stadt. Überall Handy- und Computerläden und Dreck. Die Bürgersteige waren nur unter größter Obacht zu begehen, denn die Abdeckung zur äußerst ekeligen Kanalisationen sind sehr brüchig oder gar ganz kaputt. Wir mussten fast die ganze Zeit Slalom gehen, um nicht in die offenen Stellen zu fallen oder zu stolpern. Es fehlten die kleinen niedlichen Gassen, so wie wir es aus Yangon kannten. Weder Street Food noch sonstige interessante Dinge gab es für uns zu entdecken. Selbst die vielen Menschen fehlten uns irgendwie auf der Straße. Alles war so weit weg und man bekam nichts von dem Treiben der Einheimischen mit. Unser erster Eindruck gefiel uns gar nicht. Es gab keine schönen Dinge zu sehen, nur Dreck, Müll und Betelnüsse gab es an jeder Ecke.
Der Weg zum Königspalast zog sich. Auf unserer Karte sah der Weg gar nicht so weit aus. Die Proportionen der Karte hauten vorne und hinten nicht hin. Das Hotel hatte uns eine Clownskarte zur Verfügung gestellt. Aber zum Glück stand uns Googlemaps als treuer Begleiter und Helfer in der Not zur Seite. An der Mauer zum Königspalast waren wir inzwischen angekommen, doch es gab nur einen einzigen Eingang zu diesem 4 mal 4 Kilometer großen Areal. Überall lauerten Taxifahrer auf uns und lockten mit teuren Beförderungsentgelt. In der Theorie laufen Änn & Fränn die auch die größten Entfernungen zu Fuß, doch zum gegenwärtigen Zeitpunkt mussten auch wir passen, es gab aber auch nichts Interessantes während unseres Weges zu sehen. Uns standen nur zwei Tage für die Stadterkundung in Mandalay zur Verfügung, die Stadt zu Fuß zu erkunden dauerte zu lange. Deswegen feilschte Fränn wieder was das Zeug hielt. Änn durfte nach Geschäftsabschluss bezahlen. Das ausgehandelte Taxi brachte uns für 3000 Kyat (1,80 Euro) direkt bis zum Königsplast.

 

 

Der Taxifahrer Mr. Bob, der gleichzeitig auch Guide zu sein schien, zeigte uns sein Freundschaftsbuch, um uns zu imponieren wie zufrieden die Gäste mit ihm als Guide waren. Diesen Brauch der Referenzdokumentierung kannten wir schon aus Vietnam von Mr.Ty, dem Rider aus Hue. Wahrscheinlich hatte er den Plan uns für eine Tagestour für den morgigen Tag zu überreden. Doch uns ließ das Poesiealbum der guten Bewertungen kalt.

 

 

Am Eingang zum Areal des Königspalastes musste Änn zum Bezahlen aus dem Taxi steigen. Fränn prüfte derweilen das Poesiealbum auf seine Echtheit und Glaubwürdigkeit. 10.000 Kyat (6,25 Euro) pro Personen für fünf verschiedene Sightseeing-Stationen waren fällig. Uns wurde wieder eine Archaeological Zone Card ausgehändigt, nun mit fünf Kästchen zum Abstempeln. Der Eintritt zum Königplast war den Pförtnern nicht genug. Sie wollten als Pfand unseren Reisepass, die Kreditkarte oder den Hotelschlüssel haben. Diese Sachen wollte Änn aber auf keinen Fall aushändigen. Fränn beobachtete die wilde Diskussion aus dem Taxi heraus.

 

 

Wutentbrannt kam Änn zum Auto zurück und berichtete Fränn von dieser absurden Forderung. Mr. Bob versuchte mit einer geschickten Portion Fröhlichkeit die aufgeregten Gemüter zu besänftigen. Letztendlich reichte als Pfandgabe eine kleine Powerbank, die wir noch zufällig im Drybag fanden.
Unser Taxifahrer fuhr uns zum vor den Königspalast. Währenddessen überlegte sich Fränn, wie sie den Thron übernehmen und Herrscherin von Mandalay werden könnte. Wir betraten die heiligen Hallen vom Königspalast.

 

 

Es war grauenvoll. Wir hatten die letzten zwei Wochen so viele goldene Pagoden und Tempel begutachtet, dass wir schon fast allergisch waren. Der Palast konnte uns nicht vom Hocker reißen. Der Holzpalast hatte auch wirklich nicht viel zu bieten. Es kam uns irgendwie sehr leer vor. Das spannest am Königplast war die Suche nach der Toilette. Fränn änderte schleunigst ihren Plan und wollte nicht mehr Herrscherin von Mandalay werden.

 

 

Im Hotelzimmer verarbeiteten wir die Eindrücke und recherchierten unsere Ausflugsziele für den nächsten Tag. Mandalay beeindruckte uns in keiner Weise. Der Funke wollte irgendwie nicht überspringen. Am Abend ging es dann ins nahe gelegene Chinatown, wo sich ein Nachtmarkt befand. Wir schlenderten durch die dreckigen Straßen und scannten die kleinen Stände nach essbaren Speisen. Endlich fündig geworden, genehmigten wir uns eine frisch zubereitete Suppe. Dazu wurden uns frittierte Kartoffeln, ein kleiner Kohlsalat und Grüner Tee gereicht.

 

 

Auf dem Rückweg entdeckten wir einen kleinen Stand mit zwei Feuerstellen, hinter ihm stand eine ältere burmesische Frau. Sie bot in Bananenblätter eingewickelter Klebereis in unterschiedlichsten Geschmacksrichtungen an. Es handelte sich um eine Süßspeise der ganz besonders leckeren Art. Für nur 600 Kyat (40 Cent) gehörte der Nachtisch uns. Es schmecke vorzüglich.

 

 

Auf dem Nachhauseweg suchten wir eine Möglichkeit eine Stadterkundung für den kommenden Tag zu buchen. Da die Entfernungen in Mandalay zu groß waren um sie zu Fuß zu bewältigen, brauchten wie ein Gefährt, am liebsten ein Taxi. Wir hatten uns sechs verschiedene Sehenswürdigkeiten auserwählt, die wir unbedingt sehen wollten. Auf unserer Karte hatten wie sie markiert, um gut vorbereitet in die Verhandlungen zu gehen. Kurz vor dem Hotel sprach uns ein schmächtiger Kerl an, der uns Motorräder verleihen wollte. Zufälligerweise hatte er auch einen Fahrer an der Hand, den er uns vermittelte. Für günstige 25.000 Kyat (ca. 15 Euro) sollte wir die Stadterkundung in einem Auto und mit den sechs Halten zu den von uns bestimmten Sehenswürdigkeiten bekommen. Wir willigten in das Geschäft ein und waren sehr gespannt was uns erwartet würde. Würde Mandalay seinen ersten Eindruck festigen oder konnte die Stadt uns vielleicht trotzdem noch aus den Stühlen reißen.
Unsere Kontaktperson vom vorherigen Abend stand morgens pünktlich am Hotel und übergab uns an den heutigen Fahrer. Statt wie erwartet in ein Taxi zu steigen, wurden wir auf eine Laderampe eines kleinen LKWs verfrachtet. Eine niedliche Kinderdecke bedeckte den harten Eisenboden. Irgendwie eine willkommene nette Abwechslung. Abenteuer waren unsere große Stärke. Also rauf auf den Transporter und los ging die Fahrt Richtung Mandalay Hill.

 

 

Die Fahrt durch die Straßen von Mandalay genossen wir von unserer außergewöhnlichen Sitzposition. Am Berg parkte der kleine LKW und noch beim Abstieg von der Ladefläche zwang man uns schon die Schuhe ausziehen, dabei konnten wie den Eingang hoch zum Hill noch gar nicht sehen. Die nächsten Meter bis zum Einlass gestalteten sich sehr unangenehme auf der dreckigen und steinigen Sandstraße. Mit der Rolltreppe ging es dann zur Aussichtplattform. Der angeblich atemberaubende Ausblick auf Mandalay konnte uns absolut nicht beeindrucken. Da hatten wir schon tollere Aussichten gesehen. Das 4 m² Kilometer abgesperrte Gebiet des Königspalastes zerstörte das ganze Stadtbild. Etwas gelangweilt nahmen wir den Fahrstuhl Richtung Ausgang.

 

 

Die nächste Station war die Kuthodaw-Pagode. Die Tempelanlage besteht aus 729 Stupas. Jede Stupa hat eine Platte mit Innenschriften in sich zu stehen. Die UNESCO nahm die Innenschriften der 729 kleinen Minitempel in die Liste des Weltdokumentenerbes auf. Die Kuthodaw-Pagode wird oft auch als größtes Buch der Welt bezeichnet. Da wir vor dem Besuch aufgrund mangelndem Interesse an der Stadt nicht ausreichend recherchierten, wusste wir nicht warum dieser Tempel als größtes Buch bezeichnet wird. Wir verließen den Tempel enttäuscht ohne das größte Buch der Welt geglaubt gesehen zu haben und dachten uns scheinbar kann das Buch gar nicht so groß gewesen sein, wenn Änn & Fränn es übersehen hatten.

 


Unser Fahrer konnte weder ein Wort Englisch noch konnte er eine Karte lesen. An jeder Station mussten wir sorgfältig überprüfen, ob wir wirklich richtig waren. Gleich an der dritten Station wollte er uns an einem anderen Kloster absetzen. Statt zu diskutieren, spazierten wir einfach schnell zur Sandamuni Pagode und besichtigten sie. Auch diese Station war wieder unspektakulär. Wie Pilze sprießen wieder kleine Ministupas aus dem Boden. Auch diese hatten im Inneren Tafeln mit Innschriften. War das jetzt das zweitgrößte Buch der Welt, fragten wir uns.

 

 

Am Taxi weckten wir erst einmal unseren erschöpften Fahrer. Um zur nächsten abgemachten Sehenswürdigkeit zu kommen, war ganzer Körpereinsatz gefragt. Mit Händen und Füßen erklärten wir ihm wo wir als nächstes hinwollten. Am Atumashi Kloster kamen wir aber trotzdem an. Die Konzentration lies nach und Änn widmete sich wieder öfter den Katzen als dem Tempel. Fränn feilschte an einem Verkaufsstand erfolgreich, um eine neue Holzkette als Souvenir.

 

 

Danach folgte dann das Highlight des Tages. Die längste Teakholzbrücke der Welt, die U-Bein-Brücke, die sich ca. 45 Minuten Autofahrt von Mandalay entfernt befindet. Wir unternahmen einen Spaziergang durch die Sonne über die Brücke.

 

 

 

Die Holzlatten waren stabil auch wenn sie nicht immer so aussahen. Links und rechts befand sich kein Geländer, man musste schon aufpassen, dass man nicht runterfiel. Der Ausblick auf den See und die Fischer war eigentlich ganz nett, hätte am Anfang nicht wieder der viele Müll gelegen. Einige Meter legten wie auf der Brücke zurück und freuten uns über den herrlichen Ausblick und fühlten uns von der Natur erfrischt. Vögel zwitscherten und der Wind wehte durch unser Haar. Wir versuchten den Augenblick aufzusaugen, doch plötzlich ertönte laute Bums- und Rummelmusik. Statt Ruhe und Natur, genossen wir nun eine Rundumbeschallung eines Volksfeses zu Füßen der Brücke.

 

 

Die Brücke war insgesamt 1,2 Kilometer lang. Nach der Hälfte kehrten wir um und sahen uns das Volksfest aus der Nähe an. Viele kleine Stände, an denen man Longyis, Tücher und frittiertes Essen oder aber auch das ein oder andere Souvenir käuflich erwerben konnte. Auf einer Freifläche herrscht ein reges Tanzgefüge. Wir ließen uns von der guten Stimmung anstecken und beobachteten die Menschen mit viel Freude eine ganze Weile lang.

 

 

Zur letzten Station kamen wir fast nicht, da der Fahrer nicht verstand, was wir von ihm wollten. Zwischenzeitlich hielt er uns sein Telefon sogar ans Ohr und hoffte wir könnten der Person am anderen Ende der Leitung in Englisch erklären, welche Sehenswürdigkeit wir beabsichtigten zu besichtigen. Diese sollte ihm dann vermutlich unsere Gesagtes wieder zurückübersetzten. An sich ein schöner Plan aber irgendwie klappte es nicht. Kein Mensch kannte das Shwe In Bin Kloster. Hätten wir es ihm in einem Purzelbaum erklärt, er hätte es nicht verstanden. Wir waren ganz kurz davor aufzugeben, da kam ein junger Mann des Weges. Er verstand uns und konnte obendrein Hilfestellung bei der Wegbeschreibung an unseren Fahrer leisten. Als Dankeschön nahmen wir ihn auf der Laderampe des kleinen Transporters ein Stück mit. Auf dem Weg zum Kloster zwickte uns gewaltig der Magen. Bevor wir dem Fahrer pantomimisch darstellen mussten, dass wir an einem Restaurant anhalten wollten, nutzten wir eine Garküche bei einer roten Ampel und bestellten direkt von der Laderampe des LKWs aus. Es gab etwas köstlich Frittiertes. Änn & Fränn war dies ein Gaumenschmaus.

 

 

Leider hatte sich der Aufwand für das Erreichen dieses Klosters nicht gelohnt. Im Kloster selbst holte uns ein Merchandise-Mönch ab und schüttelte uns bei der Begrüßung sofort die Hände. Wir waren überrascht, so war es buddhistischen Mönchen doch untersagt Frau anzufassen. Egal, wir folgten ihm ins Kloster. Als wir die erste große bauliche Einrichtung betraten, bat er auch schon um eine Spende, dann ließ er uns wieder alleine. Auch hier gab es wieder keinen großen Aufreger für uns zu verzeichnen. Wir waren tatsächlich übersättigt von all dem Gesehenen und Erlebten.

 

 

Auch an diesem Abend suchten wir wieder den Nachtmarkt auf, um uns mit ausreichend Nahrung für die bevorstehende Nacht zu versorgen. Es gab genau das gleiche Menü wie am Vorabend. Zufrieden doch noch etwas in Mandalay erlebt zu haben, versuchten wir uns für den Überflug nach Thailand vorzubereiten.

 

 

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2 Gedanken zu „Mandalay. Das Beste kommt leider nicht immer zum Schluss.

  1. Schade das Mandalay euch so enttäuscht hat. Das gute , ich kann zum Schluss auswählen was sich lohnt und was nicht. Aber Erfahrung macht klug, ihr wart da auch wenn es nicht so toll war. Ich bin gespannt wie es weitergeht und hoffe eventuell noch vor Weihnachten das nächste Abenteuer hier zu lesen. Schön ihr zwei, weiter so.

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